5 häufige Fehler, die zu Reklamationen im Bauwesen führen

Einleitung :

Bei komplexen Bauprojekten sind Claims nicht einfach nur ein Risiko – sie sind oft unvermeidlich. Ob sie aus Scope Creep, Verzögerungen oder Kommunikationsproblemen resultieren, Claims können die Projektabwicklung stören, die Kosten erhöhen und die Beziehungen zwischen den Beteiligten verschlechtern.

Dieser Artikel stellt fünf Hauptfallen vor, die häufig zu Forderungen in Bauverträgen führen, sowie praktische Empfehlungen, um diese zu vermeiden. Die folgenden Erkenntnisse basieren auf Prinzipien, die in Referenzprogrammen für Baurecht und Streitbeilegung, insbesondere am King's College London, gelehrt werden, und entsprechen internationalen Vertragsstandards wie FIDIC und NEC.

1. Leistungsumfang schlecht definiert

Warum das ein Problem ist:
Ein unklarer oder unvollständiger Geltungsbereich führt zu unterschiedlichen Interpretationen vertraglicher Verpflichtungen. Der Auftragnehmer kann bestimmte Aufgaben als inbegriffen betrachten, während der Bauherr sie als zusätzliche Leistungen ansieht – was zu Änderungsansprüchen führt.

 

Fallbeispiel:
Ein Auftragnehmer beginnt mit den Fundamentarbeiten in der Annahme, dass die Baustellenreinigung inbegriffen ist. Der Bauherr betrachtet diese als eine separate Leistung. Ergebnis: Verzug und Forderung nach Mehrkosten.

 

Wie man vermeidet:

  • Den Umfang mit Präzision und technischem Sachverstand definieren
  • Eine detaillierte Arbeitszerlegungsstruktur (WBS) und ein detaillierter Mengenermittlungsbogen (BOQ) zur Vermeidung von Überschneidungen
  • Ausschlüsse explizit in den Ausschreibungsunterlagen aufführen

 

2. Verspätete Benachrichtigung über Verzögerungen und schlechte Führung von Aufzeichnungen

Warum das ein Problem ist:
Die meisten Standardverträge (z.B. FIDIC-Klausel 20) fordern eine umgehende Benachrichtigung über verzögerte Ereignisse. Die Nichteinhaltung von Benachrichtigungsfristen führt oft zur Ablehnung von Ansprüchen, selbst wenn diese begründet sind.

 

Fallbeispiel:
Erhebliche Regenfälle blockieren den Zugang zur Baustelle für 2 Wochen, aber der Auftragnehmer benachrichtigt den Ingenieur 21 Tage später – über die vertragliche Frist von 14 Tagen hinaus. Das Recht auf eine Fristverlängerung ist verloren.

 

Wie man vermeidet:

  • Ein Bautagebuch in Echtzeit einrichten
  • Die Teams schulen, um benachrichtigungspflichtige Ereignisse sofort zu identifizieren
  • Vertragsalarme durch Planungswerkzeuge automatisieren

 

3. Häufige Designänderungen ohne vertragliche Kontrolle

Warum das ein Problem ist:
Informelle Änderungen führen zu einer Verschiebung des Umfangs. Ohne formelles Management durch Änderungsaufträge entstehen Streitigkeiten über Kosten und Terminauswirkungen.

 

Fallbeispiel:
Ein Architekt liefert Skizzen zur Änderung einer Fassade ohne formelle Anweisung. Der Auftragnehmer führt die Arbeiten aus, fordert Kosten und der Bauherr bestreitet die Gültigkeit.

 

Wie man vermeidet:

  • Die Änderungsmanagementverfahren streng befolgen (z. B. FIDIC-Klausel 13)
  • Sämtliche Anweisungen schriftlich und vom Engineer / PM abgenommen erteilen
  • Änderungsprotokoll mit Kosten-/Zeitplananalyse führen

 

4. Mangelnde Klarheit bei der Risikozuweisung

Warum das ein Problem ist:
Streitigkeiten entstehen, wenn Verträge die Risiken (Bodenbedingungen, Materialinflation etc.) nicht klar zuweisen.

 

Fallbeispiel:
Der Auftragnehmer stößt bei den Erdarbeiten auf Fels, der Vertrag sieht jedoch keine Regelung für geotechnische Risiken vor. Der Bauherr lehnt jeglichen Ausgleich ab.

 

Wie man vermeidet:

  • Risikomatrizen in der Vorvertragsphase verwenden
  • Auf geotechnische Referenzberichte stützen
  • Risiken der Partei zuweisen, die am besten in der Lage ist, sie zu beherrschen oder zu versichern

 

5. Kommunikationsmängel zwischen den Interessengruppen

Warum das ein Problem ist:
Ein Mangel an Abstimmung zwischen den Beteiligten (Auftragnehmer, Kunde, Berater) verwandelt Missverständnisse schnell in Forderungen, insbesondere bei internationalen Projekten oder in Konsortien.

 

Fallbeispiel:
Ein Joint-Venture-Partner wendet lokale Normen an, während der Kunde die Eurocodes verlangt. Ergebnis: Nichtkonformität und teure Nacharbeiten.

 

Wie man vermeidet:

  • Regelmäßige multidisziplinäre Koordinierungstreffen organisieren
  • Einen klaren und gemeinsamen Projektumsetzungsplan definieren
  • Ein zentraler Ansprechpartner für Anweisungen und Freigaben

 

Schlussfolgerung

Die Ansprüche im Bauwesen sind oft ein Symptom tiefgreifender Mängel im Projektmanagement oder in der Vertragsverwaltung.

Durch die Übernahme eines proaktiven Ansatzes – klare Umfangsdefinition, rigoroses Change-Management, Nachverfolgbarkeit und Kommunikation – können Stakeholder Risiken signifikant reduzieren und die Projektleistung aufrechterhalten.

Für Fachleute und zukünftige Experten im Baurecht und in der Streitbeilegung ist die Beherrschung dieser Grundlagen unerlässlich. Die Fähigkeit, Ansprüche zu antizipieren und zu verwalten, ist heute eine Schlüsselkompetenz für alle Akteure im Lebenszyklus eines Projekts.

 
 

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